Können emotional belastende Erinnerungen gezielt verändert werden?

Sicher nicht in der Weise, dass man die Erinnerung an unangenehme oder schmerzvolle Erlebnisse auslöschen kann – dafür ist unser Gedächtnis zu vielschichtig und assoziativ aufgebaut. Wir können aber gerade jene Ebene therapeutisch positiv beeinflussen, die uns besonders zu schaffen macht: das implizite emotionale Gedächtnis. Während die faktische Erinnerung nützlich sein kann, weil sie uns etwas Wichtiges gelehrt hat, sind es ja eigentlich die damit verknüpften Emotionen, die uns nachhaltig belasten. Sie können dazu führen, dass uns eine Erinnerung immer wieder aufs Neue verängstigt, lähmt und in automatisch ablaufende Muster zurückfallen lässt.

Gerade dieser emotionale Anteil lässt sich gezielt beeinflussen und verändern, und zwar in einem Prozess, der bei jedem Erinnern abläuft und Rekonsolidierung genannt wird: Jedes Mal, wenn ein Gedächtnisinhalt abgerufen wird, werden die entsprechenden neuronalen Strukturen labil und dadurch einer Veränderung zugänglich. Deshalb können sich belastende Erinnerungen im Laufe der Zeit sogar verschlimmern: Sie werden meist in Situationen aktiviert, in denen wir ähnlich verängstigt oder niedergeschlagen sind wie zum Zeitpunkt des erinnerten Geschehens, wodurch sich die emotionale Einfärbung der Erinnerung weiter verfestigt.

In einer therapeutischen Intervention geschieht genau das Gegenteil: Die Erinnerung wird in einem als sicher erlebten Kontext aufgerufen. Gleichzeitig lernen wir neue Möglichkeiten kennen, mit der Belastung umzugehen, die Situation aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen und uns selbst als kompetent und stark zu erleben. 

Das alte Schema wird dadurch dauerhaft verändert: In einem kurzen Zeitfenster nach der Aktivierung rekonsolidiert das neuronale Netzwerk, es wird wieder stabil - und baut dabei relevante Erfahrungen aus dem Hier und Jetzt ein. Und so wissen Sie zwar zukünftig noch genau, was damals passiert ist – aber das alte Gefühl der Lähmung stellt sich nicht mehr ein. Stattdessen können Sie befreit von alten Mustern Ihren Handlungsspielraum erweitern und vergleichbaren Situationen auf neue Weise begegnen. 

 

 

Zur Vertiefung:
Bruce Ecker, Robin Ticic, Laurel Hulley: Unlocking the Emotional Brain: Eliminating Symptoms at Their Roots Using Memory Reconsolidation. Routledge 2012.
Bruce Ecker: Memory Reconsolidation Understood and Misunderstood. International Journal of Neuropsychotherapy, 3(1), 2-46. 2015.

raum für veränderung

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